Zwei Autos, gleicher Fahrer, gleicher Wohnort, trotzdem ein spürbar anderer Beitrag: Verantwortlich ist meist die Typklasse. Sie zeigt, wie viele und wie teure Schäden ein bestimmtes Fahrzeugmodell im Durchschnitt verursacht. Hier lesen Sie, wie die Einstufung entsteht, welche Modelle sich für 2027 verändern, wie Sie die Klasse Ihres Wagens nachschlagen und was Sie tun können, wenn sie steigt.
Was die Typklasse aussagt
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wertet jedes Jahr die Schadenbilanzen aller in Deutschland versicherten Pkw-Modelle aus. Für die Typklassen 2027 sind das rund 33.000 Modelle mit den Schadendaten der Jahre 2023 bis 2025. Je höher der durchschnittliche Schadenaufwand eines Modells im Vergleich zu allen anderen, desto höher die Klasse und desto teurer in der Regel der Beitrag. In die Bilanz fließen sowohl die Häufigkeit der Schäden als auch deren Kosten ein, etwa für Reparaturen und Ersatzteile.
Für jede Versicherungsart gibt es eine eigene Skala. Ein Modell kann deshalb in der Haftpflicht günstig und in der Vollkasko teuer eingestuft sein, zum Beispiel wenn es selten Unfälle mit Fremdschäden verursacht, aber in der Reparatur aufwendig ist.
| Versicherungsart | Typklassen | Anzahl Klassen | Was bewertet wird |
|---|---|---|---|
| Kfz-Haftpflicht | 10 bis 25 | 16 | Schäden, die Fahrer des Modells anderen zufügen |
| Teilkasko | 10 bis 33 | 24 | u. a. Diebstahl, Glasbruch, Wildunfälle, Sturm und Hagel |
| Vollkasko | 10 bis 34 | 25 | zusätzlich selbst verschuldete Unfälle und Vandalismus am eigenen Wagen |
Quelle: GDV-Medieninformation zu den Typklassen 2027 (Stand: 30.09.2026). Klasse 10 ist jeweils die günstigste Einstufung.
Typklasse und Regionalklasse: der Unterschied
Beide Statistiken stammen vom GDV und werden jährlich neu berechnet, messen aber verschiedene Dinge. Die Typklasse hängt am Fahrzeugmodell, die Regionalklasse am Zulassungsbezirk, also an Ihrem Wohnort. Wie die regionale Einstufung funktioniert und welche Bezirke sich 2027 verändern, erklärt unser Beitrag zu den Regionalklassen 2027. Den größten Hebel auf den Beitrag hat oft allerdings ein dritter Faktor, Ihre persönliche Schadenfreiheitsklasse.
Typklassen 2027: Was sich ändert
Laut GDV (Stand: 30.09.2026) bekommen in der Kfz-Haftpflicht rund 12,5 Millionen Autofahrende eine neue Einstufung: Etwa 7,4 Millionen werden höher, etwa 5,1 Millionen niedriger eingestuft. Für die übrigen knapp 30 Millionen bleibt alles beim Alten. In der Kasko behalten 67 Prozent der Versicherten ihre bisherige Klasse.
Besser eingestuft (Auswahl)
- VW T7 Multivan 2.0 TDI X: Haftpflicht zwei Klassen günstiger
- Mercedes GLC 200 4MATIC (ab Bj. 2022): Vollkasko zwei Klassen günstiger
- Skoda Fabia 1.2 (Bj. 2007 bis 2014): in allen drei Sparten eine Klasse günstiger
- Seat Toledo 1.2 (Bj. 2012 bis 2015): in allen drei Sparten eine Klasse günstiger
Höher eingestuft (Auswahl)
- BMW 330d Touring xDrive (ab Bj. 2019): Haftpflicht zwei Klassen höher
- Citroën C4 1.2 (Bj. 2020 bis 2025): Haftpflicht zwei Klassen, Vollkasko eine Klasse höher
- Skoda Rapid 1.2 (Bj. 2012 bis 2015): Haftpflicht zwei Klassen höher
- Audi Q4 35 e-tron (ab Bj. 2020): in allen drei Sparten eine Klasse höher
Quellen: GDV-Medieninformation (30.09.2026) und dieversicherer.de (05.10.2026). Angegeben ist die Veränderung gegenüber dem Vorjahr, nicht die absolute Klasse.
So finden Sie die Typklasse Ihres Autos
Ein Blick in die Abfrage lohnt sich auch vor dem Autokauf: Zwei ähnlich große Modelle können mehrere Klassen auseinanderliegen. Weitere Stellschrauben beim Kauf finden Sie in unserem Ratgeber zur günstigen Kfz-Versicherung.
Typklasse gestiegen: Ihre Möglichkeiten
Eine höhere Klasse bedeutet nicht automatisch einen höheren Preis. Die GDV-Statistik ist für die Versicherer unverbindlich, und die Typklasse ist nur eines von mehreren Tarifmerkmalen; daneben zählen unter anderem Regionalklasse, Fahrleistung und persönliche Merkmale. Steigt der Beitrag tatsächlich, haben Sie zwei Wege:
| Situation | Kündigungsweg | Frist |
|---|---|---|
| Beitrag steigt wegen der neuen Einstufung | Sonderkündigung nach § 40 VVG bzw. Ihren AKB | ein Monat ab Zugang der Mitteilung |
| Beitrag gleich oder gesunken, Sie wollen trotzdem wechseln | ordentliche Kündigung zum Ende des Versicherungsjahrs | ein Monat vorher, bei Ablauf 31.12. also bis 30. November 2026 (Eingang beim Versicherer) |
Ist die Vollkasko-Klasse deutlich gestiegen, kann sich bei älteren Fahrzeugen auch die Frage stellen, ob der volle Kaskoschutz noch nötig ist. Eine Entscheidungshilfe bietet unser Vergleich Teilkasko oder Vollkasko. Weil die Anbieter die Typklassen unterschiedlich stark gewichten, lohnt nach einer Umstufung in jedem Fall der Preisvergleich: Was beim einen Versicherer teurer wird, kann beim anderen kaum ins Gewicht fallen.
Fazit
Die Typklasse können Sie für Ihr aktuelles Auto nicht ändern, wohl aber den Tarif. Prüfen Sie die Beitragsrechnung für 2027, vergleichen Sie bei einer Erhöhung zeitnah und nutzen Sie die Wechselsaison bis zum 30. November. Einen Überblick über Tarife für Ihren Pkw finden Sie auf unserer Seite zur Autoversicherung; Hinweise zu allen Fahrzeugarten im Kfz-Versicherungsvergleich.
Häufige Fragen zu Typklassen
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